Die Fähigkeit aller in Flashspeichern enthaltenen NAND-Flashspeicher, Datenbits zuverlässig zu speichern, lässt mit jedem Programm- oder Löschzyklus (P/E) einer NAND-Flashspeicherzelle nach, bis der NAND-Flash Daten nicht mehr zuverlässig speichern kann. Zu diesem Zeitpunkt sollte er aus dem vom Benutzer aufrufbaren Speicherpool entfernt werden, wobei die logische Adresse in eine neue physische Adresse des NAND-Flashspeicher-Arrays verschoben werden muss.
Mit jedem Programmier- oder Löschvorgang in einer Zelle erhöht sich der BER linear. Aus diesem Grund muss auf der Enterprise-SSD-FSP eine ganze Reihe von Verwaltungstechniken implementiert sein, um die Leistungsfähigkeit der Zelle in Bezug auf die zuverlässige Speicherung von Daten während der zu erwartenden Nutzungsdauer der SSD zu gewährleisten. [6]
Die P/E-Lebensdauer von NAND-Flashspeichern kann wesentlich voneinander abweichen, je nach den lithografischen Herstellungsprozessen und dem Typ des produzierten NAND-Flashes.
| NAND-Flashspeichertyp |
TLC |
MLC |
e-MLC |
SLC |
| Architektur |
3 Bits je Zelle |
2 Bits je Zelle |
2 Bits je Zelle |
1 Bit je Zelle |
| Speicherkapazität |
Höchste Kapazität |
Hohe Kapazität |
Hohe Kapazität |
Niedrigste Kapazität |
| Lebensdauer (P/E) |
Niedrigste Lebensdauer |
Mittlere Lebensdauer |
Hohe Lebensdauer |
Höchste Lebensdauer |
| Preis |
€ |
€€ |
€€€ |
€€€€ |
| Ungefähre NAND-Bit-Fehlerrate (BER) |
10^4 |
10^7 |
10^8 |
10^9 |
Tabelle 2 – NAND-Flashspeicher-Typen [6] [7] [8] [9]
Die für Kingston SSD der Enterprise-Klasse verwendeten Multi-Level Cell (e-MLC) NAND Flashspeicher in Enterprise-Klasse sind in ihrer Arbeitsweise ähnlich wie standardmäßige MLC NAND Flashspeicher, verfügen jedoch über zusätzliche Screening- und Qualifizierungsanforderungen, um eine höhere P/E-Lebensdauer und einen niedrigeren BER zu erreichen als Standard-MLC, die für SSDs der Client-Klasse verwendet werden.
SSDs der Enterprise-Klasse müssen in der Lage sein, intensive Schreibaktivitäten zu überstehen, die für Szenarien typisch sind, bei denen Rechenzentren jeden Tag rund um die Uhr Zugang zu den Daten benötigen. Im Gegensatz dazu werden Client-SSDs normalerweise täglich nur 8 Stunden verwendet. Darum ist e-MLC die perfekte Lösung für hochleistungsfähige SSDs mit großer Speicherkapazität und hoher Lebensdauer.
Die Schreibbeständigkeit einer Anwendung oder SSD zu verstehen, kann sehr komplex sein. Darum hat das JEDEC Komitee eine Metric zu Lebensdauermessung vorgeschlagen, die den Wert TeraBytes Written (TBW) zum Anzeigen der Rohdatenmenge verwendet, die auf eine SSD geschrieben werden kann, bevor der in der SSD befindliche NAND-Flash unzuverlässig zu speichern beginnt und entfernt werden sollte.
Die von der JEDEC vorgeschlagenen Testmethoden JESD218A und Enterprise-Klasse Workloads JESD219 vereinfachen die Aufgabe, die Berechnungen der Lebensdauer von SSD-Herstellern über TBW zu interpretieren und besser verständliche Lebensdauer-Maßzahlen hochzurechnen, die auf ein Rechenzentrum angewendet werden können.
Wie in den Abhandlungen JESD218 und JESD219 vermerkt, können unterschiedliche Workloads in der Anwendungsklasse auch unter einem WAF (write amplfication factor) leiden, dessen Größenordnung höher ist, als die tatsächlich vom Host gelieferten Schreibvorgänge. Dies kann leicht zu einer unkontrollierbaren NAND-Flashabnutzung , mit der Zeit zu einem höheren NAND-Flash-BER aufgrund exzessiver Beschreibung, und zu langsamerer Leistung aufgrund von über die gesamte SSD verstreuten ungütigen Seiten, führen. Der in Kingston E100 mit LSI® SandForce® DuraWrite™ Technologie verwendete, extrem schnelle Kompressionsmechanismus reduziert WAF insgesamt und erweitert die auf den NAND-Flash bezogene Lebensdauer für Applikationen in der Enterprise-Klasse.
Obwohl TBW ein wichtiges Diskussionsthema ist, wenn es um SSDs der Enterprise- oder Client-Klasse geht, ist TBW nur ein Modell zur Darstellung der voraussichtlichen Lebensdauer auf NAND-Flashebene. Für eine Aussage über ihre voraussichtliche Lebensdauer und Zuverlässigkeit auf Basis der Zuverlässigkeit der im Gerät verwendeten Komponenten muss jedoch auch der Mean Time Between Failure (MTBF) einbezogen werden. Von SSD-Komponenten für die Enterprise-Klasse wird auch erwartet, dass sie während der gesamten Lebensdauer der SSD ausdauernd arbeiten und Spannungen besser über alle NAND-Flashspeicher verteilen.
Die S.M.A.R.T.-Überwachungs- und Berichtsfunktionen auf Basis des aktuellen WAFs und Abnutzungsniveaus bilden einfache Abfragemöglichkeiten in Bezug auf die Lebenserwartung von SSDs der Enterprise-Klasse vor einem Ausfall.
Oft werden auch Frühwarnungen vor fehlerhaften Ereignissen wie Energieausfall, von der physischen Schnittstelle ausgehende Bitfehler, oder bei einer ungleichmäßigen Verteilung der Abnutzung, unterstützt.
SSDs der Client-Klasse stehen nur die S.M.A.R.T.-Mindestleistungen zur Überwachung der SSD während der standardmäßigen Nutzung oder nach einem Ausfall zur Verfügung.
Je nach Anwendungsklasse und Speicherkapazität einer SSD kann auch eine erhöhte Reservekapazität des NAND-Flashspeichers als überdimensionierte (OP) freie Kapazität zugewiesen werden. Die OP-Kapazität ist gegen Zugriff durch den Benutzer oder das Betriebssystem gesperrt. Sie kann während der Nutzungsdauer der SSD zur Steigerung der Zuverlässigkeit und Lebensdauer der SSD als temporärer Schreibpuffer für höhere Dauerleistungen und als Ersatz für defekte Flashspeicherzellen verwendet werden.